Wie alles begann

Am 1. September 2011 wandte sich der Frechener Ortsverband der CDU an die hiesige Stadtverwaltung mit dem Auftrag, die Konsequenzen des „Schulfriedens NRW“ zu prüfen.

„Kurz vor der Sommerpause haben sich die Parteien in Düsseldorf gemeinsam auf einen Konsens in der Schulpolitik geeinigt. Der so genannte „Schulfrieden“ sieht vor, neben den bestehenden weiterführenden Schulformen eine neue einzuführen, die Sekundarschule.

„In Frechen stehen wichtige Projekt an, die die zukünftige Entwicklung unseres Schulstandortes betreffen“, so Stupp. Deshalb möchte die CDU-Frechen von der Verwaltung erfahren, welche Konsequenzen aus den neuen Leitlinien des Landes sich für unsere Stadt ergeben. „Und ganz wichtig ist es, ob die Zahlen des Schulentwicklungsplanes vor diesem Hintergrund überarbeitet werden müssen“, erläutert Susanne Stupp.

Diese Initiative scheint mit den Schulpolitikerinnen der SPD abgestimmt worden zu sein, denn fast zeitgleich und mit identischem Inhalt legte die SPD mit folgendem Antrag nach:

„Der von der rot-grünen Landesregierung und der CDU vereinbarte Schulkompromiss sieht die Sekundarschule als neue Schulform in NRW vor, deren Einrichtung den Schulträgern offen steht.

Die Sekundarschule ist eine neue Schulform, die es der Stadt Frechen als Schulträger erlauben würde, dem Elternwunsch nach längerem gemeinsamen Lernen nachzukommen und die so flexibel ist, dass ihre Integration in die Frechener Bildungslandschaft eher möglich scheint, als dies z. B. bei einer Gesamtschule der Fall wäre.“

Eine erste substantielle Reaktion kam aus den Reihen der AG der Schulpflegschaften der Grundschulen. Wir zitieren etwas ausführlicher aus dem Dokument, da sich an der grundlegenden Situation nichts geändert hat:

Die Frechener Politik meidet die Einbeziehung der betroffenen Eltern wie der Teufel das Weihwasser.

Eben das hatte die AG schon im Herbst 2011 gefordert. Inzwischen ist ein Jahr vergangen, die Politik will im Dezember 2012 möglicherweise über die mittelfristige Zukunft des Schulstandorts Frechen entscheiden, aber eine Befragung der Eltern ist weiterhin nicht geplant.

„Sowohl die CDU als auch die SPD Frechens haben beschlossen, die bisherige Dreigliedrigkeit des Schulsystems zu hinterfragen. Die Parteien schließen derzeit eine Fusion von Haupt- und Realschule zur Sekundarschule nicht aus. Eine Abschaffung der Hauptschule ist dabei vorrangig den zurückgehenden Schülerzahlen an dieser Schulform geschuldet. Vor dem Hintergrund des sogenannten Schulkonsens’ scheinen beide Parteien unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen zu sein, dass die nun gesetzlich zulässige Sekundarschule diejenige Schulform sein soll, in der Haupt- und Realschule aufzugehen haben. (…)

Vergangenes Schuljahr wurde bereits einmal eine Elternbefragung zum Schulwunsch durchgeführt. Leider sind die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Entwicklung des Jahres 2011 nicht mehr valide, (..).

Nun jedoch müssen wir Eltern zur Kenntnis nehmen, dass wir uns auf eine komplett neue Situation im Bereich der weiterführenden Schulen werden einstellen müssen. (…)

Ebenso geben wir zu bedenken, dass alle wissenschaftlichen Prognosen davon ausgehen, dass der Elternwunsch hin zu einem Bildungspatent, das die Hochschulreife zertifiziert, ungebrochen ist. Der relative Anteil der Frechener Kinder, die zukünftig eine Schule mit gymnasialem Zug besuchen werden, wird weiter ansteigen. In Frechen ist dieser Bedarf bisher nur durch das hiesige Gymnasium (G8) zu befriedigen. Das Gymnasium hat aber jetzt bereits Kapazitätsprobleme (Ganztag), ein weiterer Anstieg an Schülerinnen und Schüler ist durch das Gymnasium kaum zu verkraften. Ein weiterer Ausbau der Schule dann zwingend. (…) Eine Gesamtschule vor Ort wäre in der Lage, das Gymnasium partiell zu entlasten. Eine schulische Strukturentscheidung, die mittelfristig zu einer Verschlechterung des gymnasialen Lernumfelds führt, kann nicht gewollt sein. Gleiches gilt für eine Sekundarschule mit über 1.200 SchülerInnen, die sich, organisatorisch kaum zu bewältigen, auf 2 Standorte verteilen sollen. (…)

Da nun aber die Wahl der weiterführenden Schule eine zentrale Entscheidung im Leben der Kinder und deren Eltern ist, und da hier das Elternrecht in seiner zentralsten Form berührt wird, halten wir es für nicht vermittelbar, wenn Vorentscheidungen darüber von den Parteien in Ortsvereinen oder Stadtverbänden getroffen werden, ohne die Wünsche der Eltern überhaupt zu kennen,(…)

Da nun auch in Frechen die Viergliedrigkeit zur Disposition steht und vor dem Hintergrund,

  • dass die Gesamtschule eine langjährig erprobte Schulform ist,
  • dass für die Sekundarschule bisher weder Lehrpläne noch pädagogische Konzepte existieren,
  • dass die zwingend vorgeschriebenen Kooperationen der Sekundarschule mit weiterführenden Schulen sich erst in einem langjährigen Prozess wird einspielen müssen,
  • dass die Gesamtschule, allen Kindern die Option auf die allgemeine Hochschulreife längstmöglich erhält,
  • dass die Gesamtschule die Schulzeitverkürzung im Gymnasialbereich nicht nachvollzogen hat,

(…)

fordern wir den Schulausschuss auf, eine solch gravierende Entscheidung erst dann zu treffen, wenn die Hauptbetroffenen, also die Eltern (und Kinder), sich selber ein Bild machen konnten und vor dem Hintergrund der aktuellen Änderungen korrekt befragt wurden.“


Wer also wissen will, warum sich das Aktionsforum gegründet hat, hier findet sich die Antwort:

Die Frechener Politik entscheidet über die schulischen Möglichkeiten unserer Kinder, eine Einbeziehung der Eltern jedoch wird kategorisch ausgeschlossen.


Eine umfangreiche Kommentierung des Themas Gesamtschule in Frechen findet sich hier:

hintergruende.txt · Zuletzt geändert: 2012/11/07 15:15 von schoberc
chimeric.de = chi`s home Creative Commons License Valid CSS Driven by DokuWiki do yourself a favour and use a real browser - get firefox!! Recent changes RSS feed Valid XHTML 1.0